Was sind Förderkreise?

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Warum gibt es Förderkreise (FK)?

Die sieben deutschen Förderkreise setzen sich für weltweite Solidarität und soziale Gerechtigkeit ein. Sie leisten entwicklungspolitische Bildungsarbeit und bieten die Möglichkeit, sich ehrenamtlich zu engagieren.

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Coole Konzepte für Energie auf dem Land

Coole Konzepte für Energie auf dem Land

Ecozen Quadrat.pngFreitag 01 April 2022

„Ecofrost“ – transportable Kühlhäuser sind nur eins der Produkte, mit denen der neue Oikocredit-Partner Ecozen die Landwirtschaft in Indien verbessern will. Dass davon auch Bäuer*innen und ganze Wertschöpfungsketten profitieren, ist Ziel ihrer Zusammenarbeit, erläutern Kiran Kodi, Manager Erneuerbare Energien Oikocredit Indien (rechts auf dem Bild) und Vivek Pandey, Mitgründer und Technischer Direktor von Ecozen (links auf dem Bild) im Gespräch.

Mitten in der Pandemie hat Maanaveeya, Oikocredits Tochterunternehmen in Indien, neue Partner gewonnen. Wie ist die Arbeit unter Pandemiebedingungen möglich?

Kiran Kodi: Glücklicherweise ist es uns gelungen, trotz Covid­19 und der damit verbundenen Schwierigkeiten weiterzuarbeiten, obwohl es komplette Lockdowns über mehrere Monate gab. Während der Höhepunkte des Pandemiegeschehens haben wir Kreditrückzahlungen ausgesetzt und unsere Partner auf alle denkbaren Arten unterstützt. Betroffen waren und sind alle. Geschäfte, Familien, ganze Gemeinschaften. Viele Menschen aus unserem eigenen Büro waren infiziert. Mit der Zeit haben wir gelernt damit umzugehen. Momentan gibt es immer noch viele Infektionen, aber es müssen weniger Men­schen ins Krankenhaus. Wir arbeiten überwiegend im Homeoffice, können aber für Treffen mit Klient*innen und Partnern unter Schutzmaßnahmen auch unser Büro nutzen. Reisen durchs Land sind kaum möglich. Trotz­dem haben wir Kontakt mit neuen Partnern aufgenommen und Workshops durchgeführt. Per Video ist es möglich, nicht nur auf allen Ebenen zu kommunizieren, sondern sogar die Produktion kennenzulernen und zu verfolgen.

Besonders im Fokus sind neue Partner im Sektor erneuerbare Energien. Welche Strategie steckt dahinter?

Kiran Kodi: Sich für erneuerbare Energien einzusetzen, ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Maanaveeya hat dieselben Schwerpunkte wie Oikocredit insgesamt: inklusives Finanzwesen, Landwirtschaft und erneuerbare Energien. Das Portfolio von Maanaveeya im Dezember 2021 umfasste 142 Millionen Euro, sechs Prozent davon sind aktuell in erneuerbare Energien investiert. Diesen Anteil möchten wir in den kommenden Jahren deutlich steigern, auf mindestens 20 Prozent. Wir investieren in Energieunternehmen, die Projekte im Offgrid­ und Ongrid­Bereich machen, momentan sind es sechs Partner. Ecozen-­Solutions beispielsweise bietet Energie­lösungen für bäuerliche Bertriebe an. Fourth Partner Energy und Oakridge Rooftops bieten Energielösungen für den kommerziellen und industriellen Sektor. Cygni Energy bietet Offgrid­-Lösungen. E­hands Energy versorgt kleinere, abgelegene Banken und Mikrofinanzorganisationen mit Solaranlagen für die Energieversorgung, damit sie zu ver lässig arbeiten können. Ein anderer Partner, Gayam Motor Works, vertreibt und verleiht Elektrofahr­zeuge für den „Last­Mile“­Güterverkehr. Momentan treiben wir die Zusammenarbeit mit Partnern voran, die neue Techno logien für die Landwirtschaft und ganze Wertschöpfungsketten anbieten.

Ein vielversprechender neuer Partner, der in genau diesem Bereich aktiv ist, ist Ecozen.

Kiran Kodi: Ecozen erfüllt alle Kriterien, die für uns als Oikocredit entscheidend sind. Das junge Unternehmen agiert an der Schnittstelle zweier wichtiger Bereiche: erneuerbare Energien und Landwirtschaft. Neue Produkte zu entwickeln und herzustellen kostet enorm viel Zeit und Geld. Ecozen war auf der Suche nach Finanzierungen für mehr Betriebskapital. Über einen ihrer anderen Investoren, der ähnlich wie wir arbeitet, sind wir in Kontakt gekommen und haben rasch beschlossen, Ecozen eine Kreditlinie zur Verfügung zu stellen. Das erste Darlehen hat Ecozen Anfang 2021 ausgezahlt bekommen, inzwischen haben wir bereits einen weiteren Kredit vereinbart. Mit unserem weiteren Schwerpunkt inklusives Finanzwesen sehen wir uns zudem als Experten für maßgeschneiderte Finan­zierungsmodelle. Da können wir Ecozen gut beraten und unterstützen. Gute Finanzierungsmodelle für End­kund*innen haben eine immense soziale Wirkung, nur darüber können sich auch kleinbäuerliche Betriebe innovative Produkte leisten.

Vivek Pandey, Sie sind einer der drei Gründer von Ecozen. Mit welcher Motivation sind sie gestartet?

Vivek Pandey: Wir haben Ecozen 2010 noch zu Studien­ zeiten gegründet und uns nach unserem Abschluss ganz auf das Unternehmen konzentriert. Wir waren zuallererst Ingenieure, die den Zustand der Landwirtschaft im Lande und das große Potenzial der Wertschöpfung in diesem Bereich sehr deutlich erkennen konnten. Innovationen im Bereich erneuerbare Energien erreichten seinerzeit selten den ländlichen Raum, noch heute ist das so. Wir haben zunächst viele Beteiligte entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten befragt. Dabei stellten wir fest, dass die Landwirtschaft immer noch stark vom Regen­feldbau abhängig ist, also Feuchtigkeit nur aus Nieder­schlägen gewinnt und ohne künstliche Bewässerung auskommt, und es an Infrastruktur für die Nachernte­ Bewirtschaftung fehlt. Die größte Hürde ist die Energie­versorgung der Betriebe. Zwar wurde Solarenergie seinerzeit zunehmend populär in den Städten, zur Be­leuchtung von Straßen, Haushalten und Unternehmen, aber in der Landwirtschaft war nicht viel davon zu sehen.

Wie haben Sie auf diese Beobachtungen reagiert? Welche Lösungen bietet Ecozen an?

Vivek Pandey: Als erstes haben wir Motoren für Solar­pumpen entwickelt: Ecotron. 60.000 bis 70.000 solcher Motoren und Kontrollgeräte sind über das ganze Land
verteilt seit 2014 im Einsatz. Bald wurde deutlich, dass das Problem der Bäuer*innen durch solarbetriebene Bewässerung allein nicht gelöst ist. Sie brauchen die
Möglichkeit, ihre Produkte zu lagern. Die Wertschöpfungs­ketten funktionieren zum einen nicht so schnell, dass garantiert alles frisch ist, wie der Markt es verlangt. 30
Prozent der Obst­ und Gemüseernten in Indien verderben, weil die Kleinbäuer*innen keine Möglichkeiten haben, die Produkte bis zum Weitertransport und zum Verkauf frisch zu halten. Zum anderen sind die Bäuer*innen ohne Lagermöglichkeiten abhängiger von Preisschwankungen und können mit dem Verkauf nicht warten, bis sie bessere Preise erzielen. Wir haben also ein solarbetriebenes mobiles Mini­-Lager­ haus für Obst und Gemüse entwickelt: Ecofrost. Es ist so konzipiert, dass es tragbar ist und äußerst energieeffizient funktioniert. Ecofrost wird mit einer umfassenden techni­schen Lösung geliefert, die eine mobile App für den Betrieb, die Fernüberwachung, die Ferndiagnose und die vorausschauende Wartung umfasst. Für sonnenlose Zeiten gibt es einen 36­Stunden­Energiespeicher, der einen einheimischen patentierten thermischen Energie­speicher verwendet, der im Vergleich zu Batterien weit wirtschaftlicher und effizienter ist. Mehrere Sensoren im
Gerät geben alle nötigen Auskünfte, ermöglichen, dass man das Kühlhaus individuell einstellen kann. Die Zentrale bei Ecozen überwacht, dass alles gut funktioniert und nichts verdirbt, sie berechnet optimale Lagertemperaturen je nach Lagerware und informiert über aktuelle Marktprei­se. Ecofrost hat viele nationale und internationale Preise bekommen. Wir bieten jetzt dasselbe Technologie-­Paket mit mehreren Varianten für die gesamte Lieferkette verderblicher Waren an. Eco connect ist unser drittes Produkt: Eine Online Plattform, auf der alles vernetzt wird, Informationen für Bäuer*innen, Marktpreise, Anbautipps und anderes mehr.

Auf welchen Wegen erreicht Ecozen die Endkun*innen in den ländlichen Regionen?

Vivek Pandey: Wir verkaufen unsere Solarpumpenpro­dukte an Firmen, Großunternehmen und kleine Organisati­onen, die sich mit der Installation von Solarpumpen beschäftigen. Wir versorgen sie mit Motoren und Pum­penreglern. Alle anderen Teile der Solarsysteme, wie beispielsweise Solarmodule, können sie von anderen Unternehmen kaufen. Wir haben ein großes Netzwerk von Unternehmen, um die Landwirte zu erreichen. Ähnlich verhält es sich mit den Kühlsystemen, bei denen wir mit Partnerorganisationen wie den Erzeugerorganisationen der Landwirte, Händlern und Verteilern mit lokaler Reichweite und mit Unternehmen der Lieferkette zusammenar­beiten. Wir haben dafür zwei Geschäftsmodelle: das Verkaufsmodell und ein Leasing­/Mietmodell, bei dem wir mit Finanzorganisationen zusammenarbeiten, um das Produkt für einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten für Landwirt*innen und ein bis drei Jahre für Unternehmen anzubieten. Das funktioniert sehr gut für Landwirt*innen, weil viele von ihnen saisonale Landwirtschaft betreiben.

Was erwartet Ecozen von der Zusammenarbeit mit Oikocredit?

Vivek Pandey: Neben der Finanzierung für mehr Betriebs­kapital und der Möglichkeit, gemeinsam neue Geschäfts­- und Finanzierungsmodelle entwickeln zu können, ist ein weiterer Vorteil für uns, dass wir einen Partner haben, der weltweit präsent und vernetzt ist. Oikocredit ist stark in Ländern Afrikas vertreten. In den letzten Jahren haben wir angefangen, unsere Produkte auch in afrikanische Länder, beispielsweise nach Kenia, Uganda, Namibia und andere zu verkaufen. Das Potenzial und die Nachfrage dort sind groß, da kann Oikocredit mit ihren Kenntnissen, ihren lokalen Fachleuten und ihren eigenen Partnern in afrikani­schen Ländern äußerst hilfreich für uns sein.

Der Energiebedarf in Indien steigt mit Wirtschaftswachstum und Verstädterung rasant. Die Rede ist von einer Verdoppelung bis 2040. 52 Prozent der Energie wird noch aus Steinkohle gewonnen. Angesichts der Tatsache, dass sich Indien im Kontext der Pariser Klimaziele verpflichtet hat, 40 Prozent des Stromverbrauchs bis 2030 aus nicht fossilen Energiequellen zu produzieren, eine immense Herausforderung, die viel Kapital erfordert. Gute Zeiten oder schlechte Zeiten für Oikocredit angesichts des großen Wettbewerbs?

Kiran Kodi: Das Gute ist: Die natürlichen Ressourcen für erneuerbare Energien in Indien sind ausgezeichnet. Wir haben Land, Sonne, Wind. Das Potenzial für Solarenergie ist besonders groß, es entspricht dem gesamten aktuellen Energieverbrauch. Die indische Regierung hat ein ambi­tioniertes Programm, den Anteil an erneuerbaren Energien zu steigern. Dazu müssen Technologien, politische Rahmenbedingungen und Finanzierungen Hand in Hand gehen. Das funktioniert in Indien recht gut und der Sektor ist entsprechend attraktiv für Investoren. Es gibt also viel Wettbewerb, aber auch jede Menge Möglich­keiten und Notwendigkeiten, in erneuerbare Energien zu investieren. Größere Unternehmen können mit den Banken kooperie­ren, für kleinere wie Ecozen ist die Zusammenarbeit mit Organisationen wie Oikocredit viel vorteilhafter. Zumal wir entscheidende Vorzüge haben. Wir sind schneller. Wir sind offen für unterschiedliche Strukturen und Arten von Finanzierungen und können auf individuelle Bedürfnisse der Kundschaft eingehen, beispielsweise Leasingmodelle anbieten, was für traditionelle Banken nicht so einfach ist. Wir unsererseits sind wählerisch. Uns interessiert, wie die Arbeit eines Unternehmens die Lebensbedingungen von Menschen verbessert. Elektrizität ist normalerweise sehr teuer in Indien, aber auch der Umstieg auf solare Energie ist aufwendig und kostspielig. Daher bleiben viele der kommerziellen Industrien bei herkömmlicher Energiever­sorgung. Wir wenden uns an kleinere Unternehmungen, die eine große soziale Wirkung haben. Wir wollen vor allem eins: bezahlbaren, sauberen Strom für Menschen in ländlichen Gebieten.

Fotocredits: Oikocredit

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Oikocredit Ostdeutscher Förderkreis e.V.
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workT: +49 30 680 57 150
faxF: +49 30 680 57 151

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